Bayrisch für Anfänger

Bayrisch für Anfänger – Bayrisch lernen leicht gemacht

Bald ist es wieder so weit: Das Oktoberfest beginnt und lockt Millionen von Besuchern nach München. Doch einmal auf dem größten Volksfest der Welt angekommen, sehen sich Nicht-Bayern und Touristen häufig Kommunikationsproblemen ausgesetzt: Denn – oh Wunder – auf „da Wiesn“ wird sehr viel Bayerisch gesprochen! Und das viele Bier, welches hier literweise fließt, trägt nicht gerade zur leichteren Verständigung bei. Mit diesem praktischen Wiesn-Guide „Bayrisch für Anfänger“ habt ihr gleich einen Bayerisch-Übersetzer parat, um kleine Sprachhürden im Bierzelt erfolgreich zu meistern.

Jedes Jahr aufs Neue wird das Oktoberfest mit einem lauten „O'zapft is!“ („Es ist angezapft!“) eingeleitet. Scharfsinnigen Beobachtern der Münchner Wiesn-Szene ist ja vielleicht schon aufgefallen, dass „auf da Wiesn“ nicht von Spaß, sondern einer „Fetz'n Gaudi“ (Mordsspaß) die Rede ist. Außerdem wird das Oktoberfest nicht in München, sondern in „Minga“ gefeiert. Und „Schleich di!“ ist keine höfliche Bitte, auf leisen Sohlen dahin zu schleichen, sondern bedeutet die Aufforderung, schleunigst den Abgang zu machen. Um also Schlimmeres zu verhindern, wenn Ihnen ein gestandener Bayer zuruft „Bratzn weg, sonst setzt's wos!“ („Finger weg, sonst gibt's Haue“) oder „I lang dia glei a boa fotzn!“ („Ich geb dir gleich ein paar Ohrfeigen/Schläge!“), findest du hier einen kleinen aber feinen Bayerisch-Übersetzer, der dir während deines Aufenthalts in Bayern gute Dienste leisten kann.

Besonderheiten der bayerischen Sprache und Lautfolge

Die bayerische Mundart ist recht vielfältig. Auf dem Oktoberfest finden sich jedoch vorwiegend Ausdrücke aus dem Oberbayrischen, wie es im Münchner Umland gesprochen wird. Hier die wichtigsten Grundregeln für eine korrekte bayrische Aussprache, um dir Bayrisch für Anfänger zu erleichtern:

1) Das a wird hier auf zweierlei Arten ausgesprochen. So gibt es einerseits ein a, das in der bayerischen Mundart dem o-Laut ähnelt, und eines, das hell und unbetont artikuliert wird. Die bayerische Entsprechung von „do“ heißt im Hochdeutschen „da“ (im Sinne von „hier“ bzw. „dort“). So im Beispielsatz: „Do kim i her“ = „Von dort komme ich her“. Anders jedoch der Artikel „der“ oder „ein“, hier kommt im Bayerischen ein helles, tonloses a zum Einsatz. „Wos für a Depp!“ bedeutet übersetzt „Was für ein Idiot!“ oder „da Bruader“ für „der Bruder“.

2) Das e klingt im Bayerischen eher wie ein abgeschwächtes ä – das gleiche gilt übrigens für den Umlaut „ö“. So ist der Ausruf „bläde Kuah“ als „blöde Kuh“ zu verstehen. Folgt auf das „e“ ein „l“, dann verschmelzen die beiden Buchstaben zum Doppellaut „ey“, ganz so wie wir es aus dem englischen Wort „hey“ kennen. Auf dieses Weise kommt der bayerische Ausdruck „Geyd“ für „Geld“ zustande oder „heyfn“ für „helfen“ usw.

3) Kommt die Lautfolge „ie oder „il“ in einem Wort vor, so wird sie im Bayerischen als „ui“ artikuliert. Das kleine Wörtchen „viel“ wird damit zu „vui“ oder „hilf“ zu „huif“.

4) Ist ein „ü“ in einem Ausdruck gegeben, so spricht dies der Bayer als eine Abfolge aus „u“ und „i“ aus. Aus „füllen“ wird so „fuin“, aus „Gefühl“ wird „Gfuih“ und so weiter und so fort.

5) Der Konsonant „l“ an einem Wortende ist in den meisten Fällen stumm, das heißt, das „l“ wird nicht ausgesprochen. Aus „schnell“ wird „schney“, aus „mal“ wird „moi“.

Einfache Grußformeln und Höflichkeitsfloskeln

Diese bayerischen Grußformeln und Floskeln solltest du unbedingt kennen, damit du darauf angemessen reagieren kannst und nicht als unhöflicher „Saupreiss“ (siehe unten) abgetan wirst. Doch Vorsicht: Gebürtige Bayern drücken sich gerne etwas derb aus, was Bayrisch für Anfänger oft unfreundlicher erscheinen lässt als es tatsächlich gemeint ist. Einfach gelassen damit umgehen, dann kannst du nichts falsch machen.

  • Griaß di God = Grüß Gott, guten Tag
  • Wiederschaun, Pfiat di God = Auf Wiedersehen, Tschüss
  • Servus, Servas = Hallo, Tschüss
  • Habedehr(e), gfraid me = Hat mich gefreut, freut mich
  • Dangschee = Danke schön, vielen Dank
  • Wos mägst? = Wie bitte? Würdest du das bitte wiederholen?
  • Host mi?! = Hast du jetzt endlich begriffen? (rhetorische Frage mit Nachdruck)
  • Hock di her da! = Setz dich ruhig zu uns
  • Do legst di nieda! = Donnerwetter (Ausdruck des Erstaunens)
  • An Guadn = Guten Appetit
  • Bassd scho = passt schon, in Ordnung (Vorsicht: manchmal auch „Leck mich am Allerwertesten“)
  • Ha? = Wie bitte? Was?
  • Sei ma ned bäs = Nimm es mir nicht übel, sei mir nicht böse
  • I moan scho aa! = Ich bin der gleichen Meinung
  • Ja mei = Je nach Tonlage Ausruf des Desinteresses, des Erstaunens oder der Anteilnahme
  • Mia wurscht! = Mir doch egal, interessiert mich nicht
  • Woas i ned = Weiß ich nicht

Weitere gängige Ausdrücke und Floskeln im Bayerischen

Hier noch mehr bayerische Ausdrücke, die dir bei einer Reise nach Bayern ganz sicher begegnen werden und in keinem Bayerisch-Übersetzer fehlen dürfen.

  • soacha, brunnzen = pinkeln
  • mia = wir
  • Batzerl = ein kleines Stückchen
  • hoibad, hoib = halb
  • Schneizdiache = Taschentuch
  • Erdebbfe = Äfpel, Kartoffeln
  • Bua = Junge, Bub, junger Mann
  • Madl = Mädchen, junge Frau
  • heid = heute
  • schee = schön
  • Lebakaas, Lewakaas = Leberkäse
  • Fleischpflanzerl = Frikadelle, Bulette
  • Dragerl, Dragl = Kasten mit Getränken (meistens Bier)
  • Deandl = Mädchen, junge Frau
  • Dirndl = Traditionsgewand
  • Spezi, Spezl = Guter Kumpel
  • Dusl = Glück
  • granteln = beleidigt sein, meckern, brummen
  • Schau moi her do = Schau mal hier her, schau an
  • Hund, Bazi = Schlitzohr
  • Aff, Depp, Hirsch = erklärt sich von selbst, allerdings nicht immer eine Beleidigung, sondern herzliche Umgangsform
  • Laid, Laidl = Leute
  • nüachtan = nüchtern (ja, auch das soll unter Bayern vorkommen)
  • bsuffa, zua = besoffen, betrunken sein
  • g´wampert = dick, übergewichtig
  • schnackseln = Liebe machen
  • Hendl, Gickerl = Brathuhn, Huhn

An dieser Stelle soll kurz auf die absolute Todsünde auf dem Oktoberfest eingegangen werden: Die falsche Aussprache von einer „Maß“ (lautsprachlich Mass), also einem Liter Bier. Die „Maß“ ist zwar ursprünglich als Maßeinheit für einen Krug Bier gedacht (genau 1 Liter), wird aber mit einem kurzen und harten a ausgesprochen genauso wie beim Wörtchen „nass“. Gelingt dir die richtige Aussprache nicht, dann solltest du das Wort lieber erst gar nicht in den Mund nehmen. Ansonsten erntest du von deinen bayrischen Tischnachbarn im Bierzelt nicht nur Gelächter, sondern auch allerlei blöde Sprüche.

Bayerische Schimpf- und Scheltwörter

Auch diese Wortkategorie darf keinesfalls fehlen, wenn es darum geht, Bayrisch für Anfänger verständlich zu machen. Denn unter Umständen wirst du den einen oder anderen Ausdruck zu hören bekommen.

  • Grattler, Krattler = Penner
  • Rindvich = Rindvieh, Kuh
  • dammisch = dumm, blöd
  • Hosnbisla = Weichei, Warmduscher, Schlappi
  • Dreegshamme, gscheerter Hamme = Dreckhammel, gemeiner, hinterhältiger Mensch
  • Zipfeklatscher = Idiot, Trottel, Sprücheklopfer, Angeber, Armleuchter
  • (Mist)Brietschn, Britschn = Luder, Miststück
  • Wuisla = Winsler, Jammerlappen, Schlappi
  • Graffe, Glump = minderwertige Ware, Plunder, Gramsch
  • Bflunzn, Blunzn = dicke, unfreundliche Frau
  • Grosskopfada = Bonze, Aufschneider, Angeber
  • letscherd = mürrisch, weinerlich, schlapp
  • Noagerlzuzla = Jemand, der Getränkereste austrinkt
  • Schmarrn = Unsinn, leeres Geschwätz, Geschwafel

Im Übrigen solltest du niemals einen bayrischen Landwirt mit „Bauer“ betiteln – denn auch wenn hierzulande viel Agrarwirtschaft betrieben wird, gilt dieser Ausdruck als Beleidigung. Zur ernstgemeinten Berufsbezeichnung dient der Begriff „Landwirt“. Anders verhält es sich mit dem Begriff „Saupreiss“ (Sau-Preuße): Er ist eine neckische Bezeichnung für alle, die aus den anderen 15 Bundesländern kommen und kein Bayrisch sprechen. Eine richtige Beleidigung stellt dieser Kosename jedoch nicht dar, keine Sorge.

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