Lederhose reinigen

Lederhose reinigen: Drahtseilakt „zwischen Pipi und Patina“

Die Lederhose reinigen – ein gar leidiges Thema. „Lederhosen werden nicht gewaschen“, weiß der treuherzige Trachtenfan, „und zwar nie.“ Diese heilige (Binsen-)Weisheit wird seit Jahrhunderten von Generation zu Generation überliefert. Wir verraten euch, warum sie falsch ist und wie ihr eure Lederhose reinigen könnt, ohne ihr den Charakter zu nehmen!

Begutachtet man die eigene Lederhose nach dem Oktoberfestbesuch, wird schnell klar, dass Menschen früher womöglich eine höhere Toleranzgrenze in Sachen Dreck und Muff hatten. Aber wann ist die Lederhose noch „gut benutzt“ und wann eindeutig „schlecht geputzt“?

Natürlich ist es die Patina, die der Lederhose ihren Charakter verleiht und sie zu dem macht, was sie ist: etwas ganz Besonderem. Fettflecken sind in der Regel sogar gut für das Prachtstück, da sie irgendwann in das Leder einziehen und es weicher und geschmeidiger machen. Blöd wäre also jeder, der die Lederhose reinigen und den wertvollen und mühsam erarbeiteten Film einfach entfernen wollte!

Die Lederhose reinigen: Sakrileg oder Privileg?

Haben die Alten also doch Recht und eine Lederhose muss stehen vor Dreck? Nun, nicht ganz. Festzeltmuff, kalter Zigarrenrauch, Senfflecken und nicht identifizierbare Dreckspritzer vom Kniebund bis zur Aufzier sind für die meisten Lederhosen-Liebhaber schon zu viel des Charakters, und eine Reinigung darf und muss her.

Hier kommen auch erste Schwierigkeiten ins Spiel, denn: Eine Lederhose zu reinigen ist kein Leichtes und kann der Tracht erheblichen Schaden zufügen. Durch zu viel oder zu warmes Wasser wird das Leder steif, und die mit viel Einsatz und schmierigen Händen erarbeitete Gefügigkeit des Materials ist dahin. Daher sind für das Lederhose Reinigen Erfahrung und Fingerspitzengefühl gefragt.

Das einfachste und beste Mittel gegen „unsichtbaren Dreck“, also Mief und Muff, ist gutes Auslüften. Lederhosen sollten nach dem Tragen stets an die frische Luft, und das möglichst lange. (Regenwetter bekommt ihnen allerdings nicht.)

Kleine Plagegeister wie Fussel und Co. lassen sich durch eine Kleiderrolle oder ein Klebeband wunderbar und ohne Rückstände von der Lederhose entfernen.

Doch das größte Problem stellen die wirklich hartnäckigen Flecken dar. Bevor Wasser und Seife zum Einsatz kommen, lohnt sich ein Abstecher in den Fachhandel, denn je nach Art des Leders (Velours oder Nappa) gibt es verschiedene Reinigungsmethoden. Die sanfteren und daher meist für alle Arten verträglichen sind der Lederradiergummi oder die Lederbürste. Bei der Bürste ist wichtig, dass sie keine Drahtborsten, sondern Gummiborsten hat, da ansonsten die Oberfläche der Lederhose zu stark angegriffen würde. Es lohnt sich, die Werkzeuge erst an einer verborgenen Stelle zu testen, denn hin und wieder verändert sich die Lederfarbe durch das Rubbeln.

Darf ich die Lederhose waschen?

Ja – mit besonderem Fingerspitzengefühl geht das. Wer dem Fleck mit Wasser und Seife zu Leibe rückt, benutzt am besten einen weichen Schwamm und Kernseife. Geduldig geht es jetzt daran, die Seife aufzutragen und ebenso geduldig daran, sie wieder abzuwaschen. Wichtig: Kein warmes oder gar heißes Wasser verwenden! Davon wird die Lederne hart wie ein Brett. Kaltes Wasser schont das Material und beigemengte Schmierseife sorgt dafür, dass das Leder seinen Fettgehalt behält und weich bleibt.

Nach dem Waschen der Lederhose ist die nächste Disziplin das Trocknen. Dabei wird das Wasser vorsichtig aus der Hose gedrückt (aber Achtung – nicht auswringen, das schadet ihrer Struktur und dehnt sie aus!) Danach hängt man die Lederhose nicht auf, da sie sich dabei verziehen kann, sondern legt sie flach an einem trockenen, nicht allzu warmen Ort auf ein Handtuch. Dass der Trocknungsprozess mehrere Tage dauert, sollte nicht verwundern, jedoch empfiehlt es sich, die Hose während dieser Zeit immer wieder zu wenden. Ist sie vollständig trocken, lässt sie sich durch Walken wieder so schön weich und passend machen wie vor dem Waschen. Dazu die Lederhose kneten, dehnen und strecken oder wahlweise über eine abgerundete Kante ziehen, um die Oberfläche des Leders aufzulockern.

Wenn das alles nichts hilft, die Hose immer noch vor Dreck steht und ihr ""charakterstarker Geruch"" fremde Nasen und Augen auf sich zieht, dann hilft alles nichts: Das gute Stück muss in die Reinigung. Für fachmännische Reinigung ist, je nach Länge der Hose und Art des Leders, mit 25 bis 50 € zu rechnen.

(Danke an hilfreiche Tipps von lederhosenmuseum.de und www.leder-info.de!)